Lebensversicherung

Kapitallebensversicherung – Sparen und Versichern kombiniert

Todesfallschutz plus garantiertes Sparen in einem Vertrag – wie das Produkt funktioniert, warum es in die Kritik geraten ist und was der Rückkaufswert wirklich bedeutet.

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Was ist eine Kapitallebensversicherung?

Die Kapitallebensversicherung (kurz: KLV) kombiniert zwei Funktionen: einen Todesfallschutz wie bei der Risikolebensversicherung – Schutz, Laufzeit, Kosten erklärt und einen Sparvorgang mit garantiertem Rechnungszins. Stirbt der Versicherte während der Laufzeit, zahlt die Versicherung die vereinbarte Todesfallsumme an den Begünstigten. Erlebt der Versicherungsnehmer das Vertragsende, erhält er die sogenannte Ablaufleistung – bestehend aus garantiertem Kapital und möglicher Überschussbeteiligung.

Das Produkt war jahrzehntelang ein Standardbaustein der deutschen Altersvorsorge. Seit der drastischen Absenkung des Garantiezinses (auch: Rechnungszins) – von über 4 % in den 1990er Jahren auf 0,25 % ab 2022 – hat die Kapitallebensversicherung erheblich an Attraktivität verloren. Viele Verträge, die im Niedrigzinsumfeld neu abgeschlossen wurden, erzielen nach Kosten kaum noch reale Rendite.

Lebensversicherung

Aufbau des Beitrags: Drei Töpfe

Der monatliche Beitrag einer Kapitallebensversicherung wird in drei Bestandteile aufgeteilt:

  • Risikoanteil: Deckt das Todesfallrisiko – entspricht dem Beitrag einer reinen Risikolebensversicherung gleicher Höhe und Laufzeit.
  • Sparanteil: Wird nach Abzug der Kosten verzinst und bildet das Deckungskapital.
  • Kostenanteil: Abschlusskosten (Provision) und laufende Verwaltungskosten.

Durch das Zillmerverfahren werden die Abschlusskosten auf die ersten Vertragsjahre verteilt – dadurch ist der Rückkaufswert in den ersten Jahren besonders niedrig, manchmal sogar null.

Rechnungszins – was er bedeutet und warum er sinkt

Der Rechnungszins ist der garantierte Mindestverzinsungssatz des Sparanteils. Er wird vom Bundesfinanzministerium per Verordnung festgelegt und basiert auf einer Hochrechnung der Kapitalmarktrenditen. Die Entwicklung zeigt eine klare Richtung:

Zeitraum Garantiezins Bedeutung für Sparer
bis 19943,5 %Kapitalaufbau deutlich spürbar
1994 – 20004,0 %Höchststand – attraktive Verträge
2000 – 20043,25 %Noch rentabel
2004 – 20072,75 %Sinkende Attraktivität
2007 – 20122,25 %Inflationskorrektur fraglich
2012 – 20151,75 %Realrendite nach Kosten kaum positiv
2015 – 20220,9 %Realverlust nach Inflation wahrscheinlich
ab 20220,25 %Garantie als Werbemerkmal weitgehend bedeutungslos

Überschussbeteiligung – was Versicherer nicht garantieren können

Neben der garantierten Verzinsung können Versicherungsgesellschaften eine Überschussbeteiligung ausschütten, wenn ihre Kapitalanlagen mehr erwirtschaften als der Rechnungszins verlangt. Diese Überschüsse werden jedoch nicht garantiert – sie hängen von der Anlagepolitik und dem Kapitalmarktumfeld ab. Viele Versicherer haben die deklarierten Überschüsse in den vergangenen Jahren sukzessive gesenkt.

Hochrechnungen in Angeboten zeigen häufig Szenarien mit Überschussbeteiligung – diese sind ausdrücklich keine Garantiewerte. Wer ausschließlich auf der Basis von Hochrechnungen entscheidet, riskiert eine böse Überraschung bei Vertragsablauf.

Der Rückkaufswert – was Sie bei Kündigung erhalten

Der Rückkaufswert ist der Betrag, den Sie bei vorzeitiger Kündigung ausgezahlt bekommen. Er entspricht dem aufgebauten Deckungskapital abzüglich Stornoabschlägen. Wegen des Zillmerverfahrens liegt der Rückkaufswert in den ersten Vertragsjahren oft deutlich unter den eingezahlten Beiträgen. Mehr dazu: Rückkaufswert der Kapitallebensversicherung – Was Sie zurückbekommen.

Häufige Irrtümer

„Die Kapitallebensversicherung ist sicher." – Sie ist sicherer als Aktien, aber kein risikoloses Investment. Die Garantie gilt nur, sofern der Versicherer solvent bleibt. Zudem erosiert Inflation die reale Kaufkraft der garantierten Summe über die Laufzeit erheblich.

„Was ich eingezahlt habe, bekomme ich mindestens zurück." – Falsch. Der garantierte Betrag bezieht sich auf den Sparanteil nach Kostenabzug – nicht auf die Gesamteinzahlung. Bei langen Laufzeiten und günstiger Kapitalentwicklung stimmt das annähernd; bei kurzfristiger Kündigung nicht.

Was selten gefragt wird – aber wichtig ist

Was ist die Schlussüberschussbeteiligung? – Viele Versicherer kumulieren einen Teil der Überschüsse am Ende der Laufzeit als sogenannten Schlussüberschuss oder Bewertungsreserven-Beteiligung. Dieser Betrag ist bei Kündigung nicht oder nur anteilig verfügbar – Inhaber langer Verträge werden so indirekt an eine Weiterzahlung gebunden.

Kann ich meine KLV in eine Rentenversicherung umwandeln? – Manche Verträge enthalten ein Rentenwahlrecht: Bei Ablauf können Sie die Ablaufleistung in eine lebenslange Rente umwandeln. Das Wahlrecht muss oft Monate vor Vertragsende ausgeübt werden und sollte bei Vertragsschluss geprüft werden.

Ablaufleistung

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen garantierter Ablaufleistung und tatsächlicher Auszahlung?
Die garantierte Ablaufleistung basiert auf dem Rechnungszins. Die tatsächliche Auszahlung kann höher sein, wenn die Versicherungsgesellschaft Überschüsse erzielt. Sie kann nicht unter die garantierte Ablaufleistung fallen – sofern der Versicherer solvenzfähig bleibt.
Warum ist der Rückkaufswert in den ersten Jahren so niedrig?
Abschlusskosten werden nach dem Zillmerverfahren auf die ersten Jahre verteilt. Ein erheblicher Teil der frühen Beiträge tilgt Provisionen, bevor Kapital aufgebaut wird. Wer früh kündigt, erhält deshalb weit weniger zurück als eingezahlt wurde.
Was passiert mit meiner Kapitallebensversicherung im Erbfall?
Bei eingetragenem Bezugsberechtigten fließt die Leistung direkt an diese Person – am Nachlass vorbei. Das kann erbschaftsteuerliche Vorteile haben, aber auch zu Konflikten mit anderen Erben führen. Das Bezugsrecht in der Lebensversicherung – Begünstigte korrekt einsetzen sollte sorgfältig und regelmäßig überprüft werden.

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